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Der Zauberstein
 

Eines Tages kam ein Wanderer in ein Dorf. Er war lange unterwegs gewesen und hoffte, in dem Dorf eine Unterkunft und ein Essen zu bekommen. Er hatte nach seiner langen Reise nichts mehr als seine Kleider am Leib und einen kleinen Rucksack, der aber leer war. Als er in das Dorf kam, klopfte er an die erste Türe und bat um einen Schlafplatz und um eine Mahlzeit. Als die Frau den Mann sah, der ungewaschen und müde aussah, sagte sie:" Wir haben selbst kaum etwas." So ging er zum nächsten Haus und fragte dort nach. Aber hier schlug man ihm, noch bevor er seine Bitte ge-sprochen hatte, die Türe vor der Nase zu. Da setzte er sich an die Strasse und überlegte. Er ging zum nächsten Haus und erzählte dort, dass er ein Wanderer mit einem Zauberstein sei, der durch die Lande ziehe. Dabei hielt er einen grossen Stein in den Händen. Er erklärte, dass der Stein ein wunderbares Essen kochen könne, aber nur, wenn er einen Topf mit heissem Wasser bekäme. Voller Neugier baten die Bewohner ihn ins Haus. Ein Topf wurde mit Wasser gefüllt und der Stein hineingelegt und zur Feuerstelle getragen. Die Nachricht vom Zauberstein verbreitete sich schnell, und so kamen bald viele Leute. Da sagte der Wanderer:" Das Mahl wäre noch bessser, wenn einer von euch einige Kartoffeln bringen könnte." Sogleich lief einer los, denn man wollte ja auch etwas von dem Zaubermahl haben. Da rief der Wanderer:" Als ich das letzte Mal ein Essen mit dem Zauberstein gekocht habe, war es wunderbar, denn ich hatte noch etwas Fleisch und Gemüse dazu. Aber heute habe ich leider nur den Stein." Da gingen sogleich zwei Frauen davon und brachten Fleisch und Gemüse. Bald brodelte eine wohlriechende Suppe im Topf. Der Wanderer rührte die Suppe und erzählte derweil von seinen Reiseerlebnissen. Viele waren nun gekommen,Alte, Junge, Kinder und Erwachsene. Da bat der Wanderer um Teller und Löffel und teilte grosszügig von der Suppe aus. Gespannt probierten die Leute und ein jeder lobte den besonderen Geschmack. Alle waren sich einig, schon lange keine so gute Suppe mehr gegessen zu haben, und ein jeder war fest davon überzeugt, dass dies am Zauberstein läge. Der Wanderer aber sass in der Ecke und lächelte still vor sich hin. Er war zufrieden mit dem Mahl und wunderte sich darüber, was man mit einem einfachen Stein erreichen konnte. Seine Idee, den Zauberstein zu erfinden, machte ihn Stolz. Der Stein hatte geschafft, was seine einfache Bitte nicht erreicht hatte. Er war satt, und zugleich waren die Menschen eine fröhliche Tischgemeinschaft, denn für dieses besondere Mahl hatte jeder gerne gegeben.
            


(Quelle unbekannt)

stein